100 Jahre DERIX
Erinnerung im Herzen, Zukunft im Blick
Erinnerung im Herzen, Zukunft im Blick

Franz Derix gründet in Niederkrüchten eine kleine Stellmacherei, in der er nach dem Ersten Weltkrieg Wagenräder und kleinere Fuhrwerke aus Holz herstellt. Sie ist der Ursprung des Familienunternehmens, das 100 Jahre später als DERIX-Gruppe drei Produktionsstandorte und drei zusätzliche Vertriebsniederlassungen umfassen und mehr als 300 Mitarbeitende beschäftigen wird.
Mitte der 1950er Jahre übernehmen die Brüder Johannes und Willi Derix den Betrieb von ihrem Vater Franz. Schon bald nach ihrer Übernahme stellen sie die Fertigung um. Aus dem Stellmacherei-Betrieb wird eine Zimmerei und Bauschreinerei. Johannes spezialisiert sich auf die Bereiche Schreinerei und Bauschreinerei. Wilhelm Derix baut die Zimmerei aus und steigt mit dem Nagelbinderbau in den Hallenbau ein.
Anfang der 1960er Jahre führt Willi Derix die Brettschichtholz-Produktion in seiner Zimmerei ein, inspiriert von seinem Besuch der Weltausstellung 1958 in Brüssel und unterstützt von einem Handelsvertreter für Leime. Der Einstieg in die Hetzer-Technologie führt zu rasantem Wachstum. Bei einer Studienreise in die USA Ende der 60er Jahre erhält Willi Derix Einblicke in erste industrielle Produktionsansätze, die er schnell adaptiert.
Welch großformatige, belastbare Hallentragwerke mit Holz gebaut werden können, brachte Otto Hetzer Anfang des 20. Jahrhunderts ins öffentliche Bewusstsein. Der Pionier des Holzleimbaus meldete 1906 das Patent für gebogene, verleimte Holzbauteile an und begründete damit das moderne Brettschichtholz. Mit seinen Hetzer-Trägern und Bauwerken wie der deutschen Eisenbahnhalle für die Weltausstellung in Brüssel 1910 bewies Hetzer, wie tragfähig verleimtes Holz sein kann.
Die Brüder Wilhelm und Johannes trennen sich einvernehmlich aufgrund ihrer unterschiedlichen Ausrichtung. Willi betreibt am Standort Niederkrüchten die Zimmerei und den Holzleimbau unter alleiniger Führung weiter. Die alte Firmierung W. u. J. Derix wird beibehalten – bis heute.
Während der Ölkrise Anfang der 70er Jahre trifft Willi Derix eine weitreichende Entscheidung: Er plant und baut am Standort Niederkrüchten gegenüber den alten Zimmereihallen eine Greenfield Produktion mit modernster Technik. Der Startschuss für diese Investition fällt in denkbar schlechte Zeiten. Rückblickend ist sie richtungsweisend für den Erfolg des Unternehmens – in den 80er Jahren boomt die Nachfrage und der Holzleimbau etabliert sich als populäre und wirtschaftliche Bauweise.
Ein mutiger Schritt zahlt sich aus: Nach zweifacher Insolvenz des damaligen Branchenprimus Poppensieker übernimmt Willi Derix in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Mitte der 1980er Jahre mit vollem Risikoeinsatz das Unternehmen. Mittel- und langfristig stärkt die Integration der Poppensieker GmbH & Co. KG die Position der DERIX-Gruppe im Ingenieurholzbau enorm.
Nach der Übernahme startet Willi Derix in Westerkappeln mit einer Rumpfmannschaft von rund 20 Mitarbeitenden. Gemeinsam mit dem strategischen Prokuristen vor Ort, Hans-Peter Schrage, und dem motivierten Betriebsleiter Egon Driemeyer gelingt es, das Unternehmen Schritt für Schritt zu einem Vorzeigebetrieb zu entwickeln.
Poppensieker hatte zuvor Meilensteine im Holzleimbau gesetzt und die Grenzen des Machbaren durch immer größere und spektakulärere Objektgrößen verschoben. Zu den besonderen Projekten zählen unter anderem die Bauten für die Olympischen Spiele in München 1972. Willi Poppensieker unterstützt die Übernahme durch DERIX maßgeblich und führt das Unternehmen über viele Jahre mit. Vor allem im Vertrieb legt er die Grundlage für die gemeinsame Entwicklung von Poppensieker und DERIX. Aufgrund der hohen Bekanntheit und des ausgezeichneten Rufes von Poppensieker wurde der Name in die neue Firmierung übernommen – und sogar an die erste Stelle gesetzt.
Dem unermüdlichen Vertriebsfleiß von Willi Poppensieker, der pragmatischen Investitionsbereitschaft von Willi Derix und seinem Vertrauen in die Menschen vor Ort ist es zu verdanken, dass sich die Übernahme zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands in 1990 und dem anschließenden Bauboom wächst der Standort über seine ursprüngliche Größe hinaus. Rückblickend erfolgt die Übernahme zum besten Zeitpunkt.
Gemeinsam bilden Willi Derix, Willi Poppensieker, Hans-Peter Schrage und Egon Driemeyer ein einzigartiges Team, das Poppensieker & DERIX rasch wieder auf Erfolgskurs bringt.
Mit der Gründung der Vertriebsniederlassung im niederländischen Uden durch Jos Kempkens fasst DERIX auf dem niederländischen Markt Fuß. Die neue Niederlassung ermöglicht eine direkte, kundennahe Betreuung und unterstützt die erfolgreiche Bearbeitung regionaler Projekte. Gleichzeitig starten hier die Vertriebsaktivitäten im Ausland, insbesondere in England, Israel und Korea – ein bedeutender Schritt in der internationalen Weiterentwicklung des Unternehmens.
Der heutige geschäftsführende Inhaber Markus Derix (Bauingenieur) tritt in das elterliche Unternehmen ein. Markus Derix, sprichwörtlich „im Betrieb aufgewachsen“, durchläuft intensiv die Bereiche Statik/Konstruktion, Produktion und Vertrieb, bevor er 1998 die Geschäftsführung übernimmt.
Markus Derix absolvierte sein Studium an der Bergischen Universität Wuppertal bei Prof. Dr. Heinz Brüninghoff. Brüninghoff, eine der renommiertesten Persönlichkeiten des deutschen Ingenieurholzbaus, ist bekannt für seine fundierte Forschung, seine praxisnahe Lehrtätigkeit sowie sein umfassendes Engagement in Normungsgremien und der Industrie. Von dieser exzellenten Ausbildung profitierte Markus Derix, der dadurch fachlich wie persönlich ideal auf seine spätere Rolle in der Geschäftsführung vorbereitet wurde.
1999 gewinnt Markus Derix seine Ehefrau Simone Derix als kaufmännische Leitung des Unternehmens. Mit ihrer Qualifikation als Diplom-Finanzwirtin und Steuerberaterin bringt sie wertvolle Expertise und frische Impulse in die Organisation. Die klare Trennung und gleichberechtigte Ausgestaltung der Verantwortungsbereiche – technische Leitung auf der einen Seite, kaufmännische Führung auf der anderen – schafft die Grundlage für eine effiziente und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Dieser Schritt legt den Grundstein für weiteres Wachstum und eine nachhaltig erfolgreiche Unternehmensentwicklung.
Am Standort Niederkrüchten wird ein neues Bürogebäude errichtet. Konzipiert von Markus Derix, wird es ein Vorzeige-Holzbau, der 1994 den Holzbaupreis NRW und 1997 die renommierte „BDA Auszeichnung Guter Bauten“ erhält. Das neue Bürogebäude zeigt Architekten und Bauherren, was mit modernem Holzbau alles möglich ist – auch jenseits des Hallenbaus. Mit dem neuen Büro wird außerdem die Kapazität erhöht und so dem Wachstum des Unternehmens und dem steigenden Platzbedarf Rechnung getragen.
Am Standort Westerkappeln wird eine der europaweit ersten Sortieranlagen zur maschinellen Festigkeitssortierung in den Produktionsablauf integriert. Die Einführung dieser neuen Technologie boostet nicht nur die Effizienz des Produktionsablaufes. Sie stellt auch eine gleichbleibend hohe Qualität sicher und ermöglicht höhere Festigkeitsklassen. Das Unternehmen erhält hierfür den Deutschen Materialeffizienzpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft.
Am Standort Niederkrüchten wird eine 5-Achs-CNC-Großabbundanlage installiert. Mit dieser hochinnovativen Technologie konnte die DERIX-Gruppe als eines der ersten Unternehmen in Europa extrem großformatige Holzbauteile passgenau abbinden. Das erste Großprojekt, das mit der neuen Anlage gefertigt wird, ist dann auch entsprechend spektakulär: Das Dach für die Expo-Weltausstellung 2000 in Hannover.
Für den extra-schnellen Abbund gerader BSH-Holzbauteile führt DERIX am Standort Westerkappeln seine Expresslinie ein. Standard-Bauteile können nun innerhalb kürzester Zeit präzise und vollautomatisch abgebunden werden. Die Expresslinie ist zu dieser Zeit eine zukunftsweisende Produktionstechnologie – eines der ersten Anlagenkonzepte, das vollständig verkettet und vollautomatisch paralleles BSH (Brettschichtholz) produzieren kann. Die Anlage arbeitet hierbei mit modernster Leitrechnertechnologie und verarbeitet das Material vom automatisierten Lager bis zur Abbundanlage. Manuelle Eingriffe werden auf ein Minimum reduziert und das „Losgröße-1-Konzept“ konsequent umgesetzt.
Neben BSH werden nun bei DERIX auch Bauteile aus Brettsperrholz (X-LAM) produziert. Der Einstieg in das noch junge Produkt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das enorme Potenzial dieser Technologie noch nicht gänzlich absehbar war. Dank der engen Verwandtschaft zu bestehenden Prozessen in Vermarktung, Planung, Herstellung und Montage sowie dem deutlich erweiterten Einsatzbereich erweist sich X-LAM als ideale Ergänzung des Portfolios. Das rasante Wachstum bestätigt die Entscheidung als wesentlichen Motor für die Unternehmensentwicklung.
Derix führt eine neue Unternehmensstruktur ein: Die RAP-Organisation nach Weichselbaum ist ein Organisations- und Produktionskonzept, das auf terminorientierte Betriebswirtschaft setzt. Ziel ist es, verbindliche Lieferzeiten bereits bei der Auftragsvergabe zu garantieren. Die Abwicklung erfolgt über eine Terminereigniskette (TEK), in der alle Aktivitäten zeitlich abhängig vom Liefertermin geplant werden. Damit wird die Produktion stark nach Nachfrage gesteuert und auf Flexibilität sowie Just-in-Time-Prinzipien ausgerichtet.
Die Abkehr von einer klassischen hierarchischen Unternehmensorganisation hin zu einer teamorientierten, kollaborativen Zusammenarbeit, die Reduktion der Produktionsdurchlaufzeit von sechs Wochen auf sechs Tage sowie viele weitere Elemente der neuen Unternehmensphilosophie stellten einen disruptiven Schritt dar – eine der größten Herausforderungen in der Unternehmensentwicklung.
Das Konzept antizipierte zahlreiche gesellschaftliche und arbeitssoziologische Entwicklungen und rückte die heutigen, kurzlebigen und schnellen Marktanforderungen mit flexiblen Lieferzeiten in den Mittelpunkt der organisatorischen Ausrichtung.
Neueinführung des seriellen Bauens mit präzise vorgefertigten Modulen. Im DERIX Holzmodulbau werden ganze Raumzellen im Werk komplett vorgefertigt und zur Baustelle transportiert, wo sie dann nur noch montiert werden müssen. Die flexiblen Bauweise hat große Vorteile und kann vor allem bei größeren Bauvorhaben deren Wirtschaftlichkeit verbessern und die Bauzeit reduzieren.
Die DERIX-Gruppe baut den Circl Pavillon in Amsterdam – ein innovatives Bürogebäude, das kreislauffähiges Bauen in den Mittelpunkt stellt. Die Anforderung: Das gesamte Gebäude muss als demontierbarer Bau geplant und ausgeführt werden. In diesem Zuge verpflichtet sich die DERIX-Gruppe erstmalig zur Rücknahme ihrer Holzbauteile nach Ende der Gebäudelebensdauer.
2021 wird die DERIX Rücknahmeverpflichtung als allgemeiner Standard für alle DERIX Holzbauteile eingeführt. Hiermit unterstützt die DERIX-Gruppe aktiv die Etablierung des „Cradle to Cradle“-Prinzips in der Bauwirtschaft. Dieses zukunftsweisende Konzept ist maximal rohstoffschonend, da der Rohstoff nur einmal gewonnen und dann immer wieder eingesetzt wird. Im Idealfall entsteht so ein unendlicher Materialkreislauf . Die vollständige Umsetzung des Cradle to Cradle Gedankens ist ein zentrales Ziel der DERIX-Philosophie.
Die neue X-LAM-Produktionslinie der DERIX-Gruppe wurde im Sommer 2019 in Betrieb genommen. In der rund 15.000 Quadratmeter großen Fertigungshalle ist ein hochmoderner Maschinenpark installiert, der sowohl eine hohe Prozesssicherheit als auch eine ausgeprägte Fertigungsflexibilität zur Fertigung von Losgröße 1 gewährleistet. Bei der Planung wurde besonderer Wert auf einen sehr hohen Automatisierungsgrad und Redundanz gelegt.
Die neue Produktionslinie umfasst zwei hochmoderne, vollautomatisierte Fertigungslinien für Brettsperrholz (X-LAM) und setzt neue Maßstäbe in Qualität und Effizienz. Kernmerkmale sind die umfassende 100%ige Qualitätskontrolle durch den Scanner „Goldeneye 702“ sowie zusätzliche Systeme wie Optiside, M3 Scan, X Ray und Curve Scan, die Jahrringlage, Feuchtigkeit, Festigkeit, optischen Merkmalen und Formabweichungen präzise erfassen. Alle ermittelten Daten bilden die Basis zur direkten Berechnung des optimalen Holzeinsatzes innerhalb weniger Sekunden und werden digital an die Kappsägen übermittelt. Die Linie erfüllt höchste Standards der Industrie 4.0 und ermöglicht eine flexible, kontinuierliche Produktion.
Es wird ein emissionsarmer biobasierter PUR Klebstoff verwendet, der deutlich unter den europäischen Grenzwerten liegt und nicht nur ein gesundes Raumklima garantiert, sondern auch durch seinen Materialeinsatz in punkto Nachhaltigkeit richtungsweisend ist. Insgesamt steht X-LAM 2.0 für maximale Automatisierung, bei höchster Resourceneffizienz, Qualität, Präzision und gleichzeitiger maximalen ökologischen Verantwortung in der modernen Hightech-Brettsperrholzproduktion.
Um diese steigende Nachfrage im Bereich Holzmodulbau effizient bedienen zu können, hat die DERIX-Gruppe ihre Produktion um eine ca. 3.000 m² große Fertigungshalle in Grevenbroich erweitert.
DERIX installiert eine Hochdruckpresse, mit der Rippen- und Hohlkastendecken präzise und vollautomatisch gefertigt werden können. Die passgenaue Vorfertigung extragroßer Dächer erreicht hiermit ein neues Level.
Der neue DERIX Campus erweitert den Standort Niederkrüchten um ein zusätzliches Bürogebäude und eine Lagerhalle. Der Bau ist eine direkte Antwort auf die stetig wachsende Nachfrage im Massivholzbau. Nachhaltigkeit und Zirkularität stehen im Zentrum des Bauprojekts – das gesamte Vorhaben folgt dem Anspruch, Materialien wiederzuverwenden, Abfall zu vermeiden und Baustoffe so lange wie möglich im Kreislauf zu halten.